25.05.2009
Projektstart «Elektronischer Catalogue raisonné Aloïse»
Das Schweizerische Institut für Kunstwissenschaft (SIK-ISEA) in Zürich und Lausanne und die in Chigny VD ansässige Fondation Aloïse sind die Vereinbarung eingegangen, gemeinsam das Schaffen der Lausanner Künstlerin Aloïse (1886–1964) aufzuarbeiten. Ab 2011 soll das umfangreiche Werk dieser international bekannten Vertreterin der Art Brut in Form eines elektronischen Catalogue raisonné auf der institutseigenen Internetplattform www.sik-isea.ch publiziert werden.
Die in Lausanne geborene Aloïse Corbaz (1886–1964), genannt Aloïse, lebte von 1918 bis zu ihrem Tod in zwei psychiatrischen Anstalten des Kantons Waadt, wo sie ein umfangreiches Œuvre schuf (rund 780 Werke, viele davon vorder- und rückseitig, sowie 37 Zeichenhefte). 1941 lernte die Ärztin Jacqueline Porret-Forel Aloïse kennen; seither hat sie deren Werk systematisch dokumentiert, ausgewertet und in zahlreichen Publikationen und Ausstellungen einem breiten Publikum zugänglich gemacht. Erstmals im Kunstkontext zu sehen waren die Arbeiten von Aloïse 1948, als der französische Künstler Jean Dubuffet sie in der Compagnie de l'Art Brut in Paris ausstellte; seitdem gilt sie als eine der wichtigsten Vertreterinnen der Art Brut. 1972 schenkte Dubuffet seine eigene Sammlung der Stadt Lausanne unter der Bedingung, dass sie öffentlich zugänglich sein würde. In der Folge wurde 1976 die Collection de l’Art Brut eröffnet, wo Aloïse mit 116 Werken vertreten ist. Grosse Werkgruppen befinden sich auch in folgenden öffentlichen Sammlungen: Musée cantonal des Beaux-Arts in Lausanne, Kunstmuseum Solothurn, Musée d’art moderne Lille Métropole in Villeneuve d’Ascq, Museum im Lagerhaus in St. Gallen, La Fabuloserie in Dicy, Irish Museum of Modern Art in Dublin und American Folk Art Museum in New York.
Wissenschaftliche Zusammenarbeit
Ein systematischer Katalog zum umfangreichen Œuvre von Aloïse steht bisher noch aus. Nun soll in enger wissenschaftlicher Kooperation zwischen dem Schweizerischen Institut für Kunstwissenschaft (SIK-ISEA) in Zürich und Lausanne und der in Chigny VD ansässigen Fondation Aloïse ein elektronischer Catalogue raisonné zum Schaffen von Aloïse erarbeitet werden.
Als nationales Dokumentations- und Forschungszentrum zur Kunst in der Schweiz ist
SIK-ISEA zum Partner für dieses anspruchsvolle Vorhaben prädestiniert. Das Institut hat bereits eine ganze Reihe von wegweisenden Œuvrekatalogen zu Schweizer Kunstschaffenden erarbeitet und verfügt über Erfahrung im elektronischen Publikationswesen. SIK-ISEA unterstützt das Projekt durch wissenschaftliche und technische Beratung und stellt die institutseigene Datenbank zur Verfügung. Auf diese Weise schafft das Institut die Voraussetzungen, dass der elektronische Catalogue raisonné Aloïse auf der Internetplattform www.sik-isea.ch aufgeschaltet oder über das Online-Lexikon von SIK-ISEA (www.sikart.ch) abgerufen werden kann. Damit ist eine weitreichende Verbreitung gewährleistet.
Die Fondation Aloïse finanziert die Erarbeitung des Catalogue raisonné. Sie übernimmt auch die wissenschaftliche Inventarisation der Werke, sie sammelt und ordnet die bibliografischen Fakten, verzeichnet die Provenienzen und Ausstellungshinweise der einzelnen Werke und ist dafür besorgt, dass sie von Frau Dr. Porret-Forel ausführlich kommentiert werden. Zudem ist die Fondation Aloïse Kontakt- und Informationsstelle für BesitzerInnen von Werken der Künstlerin.
Die Erarbeitung des elektronischen Werkkatalogs wird von verschiedenen Institutionen, Stiftungen und privaten GönnerInnen unterstützt.
Kontakt für weitere Informationen
Simonetta Noseda, Leiterin Inventarisation, SIK-ISEA
simonetta.noseda@sik-isea.ch,
T +41 (0)44 388 51 30
Céline Muzelle, Wissenschaftliche Mitarbeiterin Fondation Aloïse
fondationaloise@gmail.com,
T +41 (0)21 801 12 33
Bildmaterial
Alice Jaeckel, Mitarbeiterin Bildarchiv SIK-ISEA
alice.jaeckel@sik-isea.ch,
T +41 (0)44 388 51 07

Aloïse (Aloïse Corbaz, 1886–1964)
Napoléon au clair de lune
Ölkreide auf Papier, 48 x 69 cm
Kunstmuseum Solothurn
Foto: SIK-ISEA