Vitrines virtuelles

Nachlass Otto Münch

Der schriftliche Nachlass von Otto Münch (1885–1965) kommt im Jahr 2005 als Schenkung ins Schweizerische Kunstarchiv von SIK-ISEA. Nebst einer umfassenden fotografischen Werkdokumentation, finden sich systematisch geführte Kassabücher, Journale, Auftragsbücher und Adresslisten.

Otto Münch in seinem Atelier, um 1960 (Fotograf/-in unbekannt)

Brunnenskulptur «Die Tänzerin», 1932 am Zürcher Hegibachplatz, (Fotograf/-in unbekannt)

Brunnenskulptur «Mädchen im Wind», um 1945 am Zürcher Mythenquai, (Fotograf/-in unbekannt)

Im Atelier von Otto Münch (Skulptur Karl der Grosse), um 1935, (Fotograf/-in unbekannt)

Brief von Otto Münch an Prof. Dr. G(ustav) Gull, 10. Juli 1913

Auszug aus dem Arbeitsrapportheft von Walter Casanova (Freier Mitarbeiter von Otto Münch) für die Jahre 1943–1944

Auszug aus dem Kassabuch von Otto Münch, Januar – März 1950

Bei einem Spaziergang durch die Zürcher Innenstadt begegnen uns die Werke von Otto Münch (1885–1965) auf Schritt und Tritt: Fassadenplastiken an der Bahnhofstrasse, Brunnenfiguren am Seeufer und Bauschmuck im öffentlichen Raum. Otto Münch, geboren in Meissen, lässt sich 1907–1911 in Dresden zum Bildhauer ausbilden und zieht anschliessend mit seiner Frau Maria Münch-Winkel nach Zürich ins ehemalige Atelierhaus von Arnold Böcklin. Hier führt das Ehepaar Münch 1913–1945 eine Kunstschule für Plastik und Kunstgewerbe. Aufnahmen im Nachlass Otto Münchs dokumentieren die Lehrtätigkeit sowie die Arbeit des Bildhauers, der sich 1912 selbstständig macht und im Kleinbetrieb an der Böcklinstrasse mit Hilfe eines Assistenten Arbeiten in Stein und Bronze für mehrheitlich Zürcher Auftraggeber fertigt. Darunter gibt es prominente Beispiele: Die Aussenplastik am Kaufhaus Grieder (1914), die künstlerische Oberleitung für den Bauschmuck an der Nationalbank Zürich (1919–1922), die Leitung über Renovation und Rekonstruktion der romanischen Bauskulpturen am Grossmünster (1933–1936), die Zwinglitüre am Südportal des Grossmünsters (ab 1935) und die bronzene Bibeltüre am Nordportal des Grossmünsters (ab 1944).

Otto Münch bemüht sich von Anfang an um eine präzise Dokumentation des Arbeitsprozesses. Die systematisch gesammelten und im Nachlass überlieferten Auftragsbücher, Arbeitsjournale, Abrechnungen und Korrespondenzen mit Auftragsgebern und Lieferanten erlauben eine aussergewöhnlich präzise Rekonstruktion des Bildhauerbetriebs. Ergänzt werden die Informationen zum Produktionsprozess durch ein umfassendes fotografisches Konvolut: Für die Werkdokumentation lässt Münch professionelle Aufnahmen seiner Entwürfe und ausgeführten Arbeiten erstellen.
Der Nachlass enthält ausserdem die private Korrespondenz zwischen Otto Münch und Maria Münch-Winkler, Unterlagen zum Verkauf des künstlerischen Nachlasses über Auktionshäuser sowie die Akten zur Gründung der Stiftung Künstleratelier Böcklin.

Signatur

SIK-ISEA, Schweizerisches Kunstarchiv, HNA 257

Konzeption und Durchführung

Michael Schmid, lic. phil., Projektleitung
Carmen Reichmuth, Mitarbeiterin Schweizerisches Kunstarchiv, Einführungstext und Auswahl Dokumente

Kontakt

Schweizerisches Kunstarchiv
T +41 44 388 51 04
kunstarchiv@sik-isea.ch


Publiziert am 24.02.2016