Vetrina virtuale

Nachlass Carlotta Stocker

Anfang der 2000er-Jahre gelangt der schriftliche Nachlass der Zürcher Künstlerin Carlotta Stocker (1921–1972) als Schenkung zu SIK-ISEA. Das Konvolut umfasst unter anderem Fotografien, private und geschäftliche Briefe, Verträge, Kataloge, Presseartikel sowie Werkdokumentationen. 

Carlotta Stocker in Marina di Massa (I), um 1962 Foto: Eliette Benazzi-McCouch

Carlotta Stocker zwischen zwei Mitschülerinnen der Kunstgewerbeschule Zürich, um 1937

Die junge Carlotta Stocker, um 1940

Carlotta Stocker mit ihrer Familie (von links nach rechts: Bruder Walter, Carlotta, Unbekannte, Mutter, Vater, Tante Ida) in Porto Ronco, Oktober 1943

Carlotta Stocker malt für das Warenhaus Globus einen Minotaurus, um 1948

Carlotta Stocker in ihrem Atelier an der Wuhrstrasse 10 in Zürich, um 1959

Carlotta Stocker (2. von links) in Fox-Amphoux (Südfrankreich), u.a. mit Hans und Maja Aeschbacher (hinten rechts) und Fred Knecht (vorne Mitte), 1960

Carlotta Stocker, um 1964

,Dieses verfluchte Licht hier in Zürich!‘. Dieser verärgerte Ausruf ist nach Aussagen von Künstlerkollegen des Öfteren zu hören, wenn Carlotta Stocker (1921–1972) in ihrem Atelier an der Südstrasse 81 und später in der Künstlersiedlung Wuhrstrasse 10 arbeitet. Zeit ihres Lebens sehnt sie sich nach dem mediterranen Licht, welches sie auf ihren vielen Reisen nach Italien (vor allem in die Toskana) und an die Côte d‘Azur antrifft. 1921 als Tochter eines Ingenieurs geboren, wächst sie in Luzern und Zürich auf und tritt 1937 in die Kunstgewerbeschule Zürich ein. 1938–1941 studiert sie an der École des Beaux Arts in Genf. Früh arbeitet sie als Illustratorin und entwickelt in ihrer Malerei einen skizzenhaften, emotionalen und fragmentarischen Stil. Besonders bekannt werden die grossformatigen Interpretationen ihres Ateliertisches, wobei sie immer wieder mit kräftigen Farben arbeitet. Seit den 1950er-Jahren realisiert sie ausserdem grossformatige Wandbilder in öffentlichen Gebäuden der Stadt Zürich (Kinderspital, Töchterhandelsschule, Krematorium Nordheim u.a.). Malereien und Zeichnungen finden vor allem Eingang in Schweizer Museen und in private Kunstsammlungen. In der Leuchtkraft, der breiten Farbigkeit und dem schnellen, expressiven Ausdruck ihrer Arbeiten finden Weggefährten und Freunde die Persönlichkeit der Künstlerin wieder, ihr Interesse am Neuen und Unbekannten. Carlotta Stockers charismatische Persönlichkeit prägt die Zürcher Kunstszene und geht in ihrer Rolle als existenzialistische Bohème-Künstlerin in den 1950er- und 1960er-Jahren auf. Dieses umtriebige und bunte Leben findet 1972 ein überraschendes Ende. An einem Augusttag stirbt Carlotta Stocker in ihrem Atelier an den Folgen einer Hirnblutung.

2000/2005 gelangt die von Freunden in langjähriger Arbeit ausgeführte Werkdokumentation Carlotta Stockers als Schenkung an SIK-ISEA. Dabei handelt es sich um eine umfassende Kartothek mit Werkabbildungen, aber auch Ausstellungsnachweise und Pressematerialien. 2004 werden ausserdem dokumentarische Fotografien Stockers, private und geschäftliche Briefe, Verträge, Kataloge, Presseartikel, Einladungskarten und Werk- und Besitzerverzeichnisse aus dem Nachlass von Carlotta Stocker an SIK-ISEA geschenkt. Akribisch nach Datum, Ort und Werkgruppen geordnet, ergänzen diese biografischen Dokumente die Arbeit der Werkverzeichnisse und bieten den Ausgangspunkt für intensive Forschungen zu Stockers Leben und Schaffen.

Signatur

SIK-ISEA, Schweizerisches Kunstarchiv, HNA 202 / 215 / 218

Konzeption und Durchführung

Michael Schmid, lic. phil., Projektleitung
Nicolas Wirth, Mitarbeiter Schweizerisches Kunstarchiv, Einführungstext und Auswahl Dokumente

Kontakt

Schweizerisches Kunstarchiv
T +41 44 388 51 04
kunstarchiv@sik-isea.ch


Publiziert am 26.06.2015