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Nachlass Martha Cunz

Der Nachlass der St. Galler Künstlerin Martha Cunz (1876–1961) wird SIK-ISEA in den 1980er Jahren und Anfang 2000 übergeben. Das Konvolut besteht hauptsächlich aus einem regen Briefwechsel zwischen Martha Cunz und ihrer Familie während ihres Aufenthaltes in München.

Porträtfotografie von Martha Cunz, um 1910 (Fotograf/-in unbekannt)

Brief von Adolf Hölzel an Carl Andreas Cunz-Zollikofer, 17. Januar 1896

Brief von Dagmar und Helen (Hella) Hooge an Martha Cunz, 11. April 1922

Brief von Martha Cunz an ihre Familie, 8. Mai 1909, Seite 1

Brief von Martha Cunz an ihre Familie, 8. Mai 1909, Seite 2

Brief von Martha Cunz an ihre Familie, 8. Mai 1909, Seite 3

Brief von Clara Cunz an Martha Cunz, 2. März 1905

Martha Cunz (1876–1961) wächst in St. Gallen als Tochter eines Textilagenten in gutbürgerlichen Verhältnissen auf und beschliesst bereits in jungen Jahren Künstlerin zu werden. Beim Kopieren Alter Meister im Kunstmuseum St. Gallen lernt sie den Maler Emil Rittmeyer (1820–1904) kennen, der sie fördert und ihr bis zu seinem Tod freundschaftlich verbunden bleibt. 1895 begegnet Cunz dem Münchner Maler Max Josef Pitzner (1855–1912), der ihr zu einem Studienplatz bei Adolf Hölzel (1853–1934) in Dachau verhilft. Im Frühjahr 1896 tritt sie ihr Studium in Dachau an, zieht jedoch nur ein Semester später nach München um und schreibt sich dort an der Künstlerinnenschule ein. In München, wo sie bis 1920 lebt, entdeckt sie um 1900 den Holzschnitt. Inspiriert von japanischer Druckgrafik findet sie im Vielfarbenholzschnitt ihre bevorzugte Ausdrucksform. Sie kann sich schnell unter den Münchner Grafikern etablieren und begründet 1903 zusammen mit Albert Welti (1862–1912) den grafischen Verein 'Die Walze'.

Der Teilnachlass von Martha Cunz wird von ihrem Neffen Eugen Cunz in den Jahren 1985 und 2003 SIK-ISEA übergeben. Er besteht hauptsächlich aus einem regen Briefwechsel zwischen Martha Cunz und ihrer Familie während ihres Aufenthaltes in München (ca. 1000 mehrseitige Briefe). Die erhaltenen Schriften dokumentieren zum einen die innigen Beziehungen innerhalb der Familie Cunz, zum anderen veranschaulichen sie den eigenständigen und emanzipierten Charakter von Martha Cunz. Sie geben ebenfalls Aufschluss über Werkgenese sowie Martha Cunz’ Erfahrungen mit dem zeitgenössischen Kunstbetrieb. Mehr als hundert weitere Briefe und Postkarten von Künstlerfreunden und -freundinnen bergen sozialhistorisch aufschlussreiche Informationen. So berichten beispielsweise die Künstlerinnen Dagmar und Helene (Hella) Hooge (1870 und 1873–1931) von der deutschen Inflation nach dem Ersten Weltkrieg und den oft schwierigen Lebensbedingungen in den Jahren zwischen den beiden Weltkriegen.

Daniel Studer hat in seiner Dissertation über Leben und Werk von Martha Cunz den Briefwechsel ausführlich analysiert und teilweise publiziert. Grosse Teile der Korrespondenz, insbesondere die Briefe an die Familie, sind jedoch bis heute unveröffentlicht.

Signatur

SIK-ISEA, Schweizerisches Kunstarchiv, HNA 40

Konzeption und Durchführung

Michael Schmid, lic. phil., Projektleitung
Deborah Favre, Mitarbeiterin Schweizerisches Kunstarchiv, Einführungstext und Auswahl Dokumente

Kontakt

Schweizerisches Kunstarchiv
T +41 44 388 51 04
kunstarchiv@sik-isea.ch


Publiziert am 20.01.2011