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Nachlass Otto Charles Bänninger

Anfang der 2010er Jahre erhält SIK-ISEA die gesamte Korrespondenz Otto Charles Bänningers (1897–1973) als Schenkung aus dem Familiennachlass. Von besonderer Bedeutung ist der Briefwechsel Bänningers mit der französischen Bildhauerin Germaine Richier, mit der er von 1929 bis 1951 verheiratet ist.

Porträtfotografie von Otto Charles Bänninger, undatiert (Fotograf: Hugo P. Herdeg)

Mitgliedkarte der Zürcher Kunstgesellschaft, 1972

Brief von Otto Charles Bänninger an Eduard von der Heydt, 18. März 1953

Typoskript der Ansprache "Uebergabe der Plastik von Bildhauer Otto Bänninger auf dem alten Tonhalleplatz", 21.11.1946

Briefentwurf von Otto Charles Bänninger an Antoine Bourdelle, 10. September 1929

Brief von Otto Charles Bänninger an seine Eltern, 15. Juli 1924

Brief von Antoine Bourdelle an Otto Charles Bänninger, 17. September 1927

Otto Charles Bänninger (1897–1973) war ein bedeutender Schweizer Bildhauer der Zwischen- und Nachkriegszeit. Nach einer dreijährigen Bildhauerlehre in Zürich besuchte er ab 1920 die Académie de la Grande Chaumière in Paris. Bald wurde er Mitarbeiter seines Lehrmeisters Emile-Antoine Bourdelle und stellte nach dessen Tod 1929 seine unvollendeten Werke fertig. Im Atelier des Pariser Künstlers lernte Bänninger die französische Bildhauerin Germaine Richier kennen, mit der er zwischen 1929 und 1951 verheiratet war. Das Paar verbrachte während der gemeinsamen Jahre abwechslungsweise mehrere Monate in Zürich und Paris, bis sich Bänninger 1939 endgültig in seiner Heimatstadt niederliess. Die ausschliesslich figürlichen Werke des Plastikers konzentrieren sich auf klassische Themen. Neben den vielbeachteten Bildnissen, die er für private Auftraggeber, unter anderen für die Sammler Emil Bührle und Oskar Reinhart fertigte, zeugen noch heute zahlreiche öffentliche Denkmäler wie beispielsweise „Die Schreitende“ auf dem Sechseläutenplatz in Zürich oder „Remonte!“ auf der Aarebrücke in Olten von seinem künstlerischen Schaffen.

2013 schenkte Christian Bänninger, Sohn des Künstlers, dem Schweizerischen Kunstarchiv einen Teilnachlass, der vorwiegend Korrespondenzen seines Vaters umfasst. Aus dem Briefwechsel mit seiner Familie lassen sich die biografischen Stationen Bänningers aus persönlicher Sichtweise nachvollziehen. Ein Konvolut mit Briefen, die Germaine Richier zwischen 1930 und 1958 an ihn verfasst hat, liest sich als intimes Zeugnis ihrer Beziehung. Die Schilderungen von gesellschaftlichen Anlässen, Ausstellungen und Auszügen des alltäglichen Lebens ergänzt „Maine“ mit Reflexionen über ihr Verhältnis zu „Beni“ und verwebt sie mit eigenen Einschätzungen ihrer künstlerischen Arbeiten. Die Spannungen, die sich aus ihren unterschiedlichen Gemütern ergeben, erkennt die Künstlerin im Ausdruck ihrer Werke wieder: „Je pense que chacun de nous travaille selon son tempérament selon son inquiétude, les uns dans le silence comme toi, les autres dans le bruit comme moi. Et je crois aussi que ceux qui nous aimons ne peuvent être les mêmes. […] C’est là le combat de l’époque“ (undatierter Brief aus dem Nachlass Otto Charles Bänninger, HNA 299.1.2.1). Im Nachlass befinden sich ausserdem Nachrichten von befreundeten Künstlern, darunter Briefe und Postkarten von Cuno Amiet, Paul Basilius Barth, Georges Borgeaud, Alex Cingria, Lissy Funk, Wilhelm Gimmi und Otto Münch sowie Schreiben der Schriftsteller Charles Albert Cingria, Hermann Hesse und Charles Ferdinand Ramuz. Des Weiteren enthält der Bestand Mitteilungen von öffentlichen Auftraggebern, beispielsweise der Stadt Zürich und von privaten Sammlern wie Eduard von der Heydt, die die Genese einzelner Werke Bänningers verstehen lassen. Komplettiert wird die Korrespondenz mit einzelnen Urkunden, Quittungen und einem Spesenheft sowie mit Zeitungsrezensionen zum Künstler.

Signatur

SIK-ISEA, Schweizerisches Kunstarchiv, HNA 299

Konzeption und Durchführung

Michael Schmid, lic. phil., Projektleitung
Silja Meyer, Mitarbeiterin Schweizerisches Kunstarchiv, Einführungstext und Auswahl Dokumente

Kontakt

Schweizerisches Kunstarchiv
T +41 44 388 51 04
kunstarchiv@sik-isea.ch


Publiziert am 19.12.2014