Lissy Funk wurde 1909 in Berlin als Lissy Düssel in eine wohlhabende Familie hineingeboren, die jedoch gegen Ende des Ersten Weltkrieges einen Grossteil ihres Vermögens verlor. 1921 begann Lissy Düssel eine Tanzausbildung, fand aber schnell, dass dies nicht zu ihr passe. 1923 zog die Familie nach Obino im Mendrisiotto, wo sie zu malen, zeichnen und sticken begann. 1933 zog die Künstlerin nach Zürich und trat 1934 der Schweizerische Gesellschaft Bildender Künstlerinnen (SGBK) bei. Ein Jahr später, 1935, heiratete sie den Künstler Adolf Funk. 1937 entdeckte Lissy Funk an der Weltausstellung in Paris ihre Faszination für Wandtapisserien des 15. und 16. Jahrhunderts. Fortan vertiefte sie sich, ausgehend von den Teppichen des 15. Jahrhunderts, in die Kunstgeschichte der Stickerei bis hin zur Moderne. Parallel dazu fand eine Wende in ihrer Arbeit statt. Anfangs zeigten ihre Stickereien, wie bei dem Werk Paar auf Wiese (um 1937), figurative Details. Nach einer künstlerischen Blockade in den 1960ern löste sie sich vom Figurativen hin zur abstrakten Darstellung ihrer Gefühlswelt, wie im Werk Der geheime Fisch (1965) erkennbar ist. Funks Arbeiten wurden in zahlreichen Ausstellungen gewürdigt, darunter eine 1988 im Art Institute of Chicago eröffnete Retrospektive, die auch im Deutschen Textilmuseum Krefeld und im Helmhaus Zürich gezeigt wurde. 1938 gewann sie den Wettbewerb zur Gestaltung der Frontwand des Kantonsratssaals Zürich, und 1965, 1968 sowie 1977 nahm Funk an der Biennale Internationale de la Tapisserie in Lausanne teil.
Zusammen mit den vom Kunstarchiv gesammelten Materialien im Dokumentations-Dossier bietet die 2025 dem Schweizerischen Kunstarchiv geschenkte Sammlung von Dokumenten zu Lissy Funk einen wertvollen Einblick in Arbeit, Lebensumstände und soziales Umfeld der Künstlerin. Die Korrespondenz mit Kurt Maibach – Vorsteher der Sekundarschule Nidau, Künstler und Zeichnungslehrer – bildet den Prozess der Auftragsarbeit Der geheime Fisch (1965) für den Neubau der Schule und dessen Leihgabe nach Chicago ab. Weitere Korrespondenz mit der Kunsthistorikerin Dorothea Christ sowie Ausstellungsflyer und Plakate geben Einblick in ihre Ausstellungstätigkeit. Die vorhandenen Zeitungsartikel spiegeln dabei ihre Rezeption. Zudem sind einzelne Briefe von Lissy Funk an Künstlerinnen, Politikerinnen und Museumsfachleute wie Annarella Rotter-Schiavetti, Christa Thurman, Nancy Hemenway Barton und Vreni Spoerry vorhanden.
Sticken gehörte in der Mitte des 20. Jahrhunderts für viele zu den dekorativen Beschäftigungen einer Hausfrau, seit dem 19. Jahrhundert zudem als Technik, die längst Maschinen beherrschten. Lissy Funk liess sich davon nicht beirren. Jeder Nadelstich entstand von ihrer eigenen Hand oder der einer Atelierassistentin. Ihre monumentalen Tapisserien bedeckten ganze Wände in Kirchen, Kantonsratssälen und Aulen. Das Dokumentationsmaterial bietet damit reiches Potential für die kunstwissenschaftliche Forschung zu Handwerk, Geschlechterrollen und dem Verhältnis von Textilkunst zur Moderne.
Bestände
SIK-ISEA, HNA 995, Sammlung zu Lissy Funk von Kurt Maibach
SIK-ISEA, DOK 4001263, Dossier Lissy Funk
Konzeption und Durchführung
Michael Schmid, lic. phil., Projektleitung
Aina Vogt, BA, Praktikantin Schweizerisches Kunstarchiv, Einführungstext und Auswahl der Dokumente
Kontakt
Schweizerisches Kunstarchiv
T +41 44 388 51 04
kunstarchiv@sik-isea.ch
Publiziert am 24.08.2026