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Medienkunst: Zeit, Materialität, Authentizität

Referat von Dr. Hanna B. Hölling, Lecturer in Art History and Material Studies, University College London

Wann: 17. November 2017, 18.00–19.30 Uhr, anschliessend Aperitif

Wo: SIK-ISEA, Zollikerstrasse 32 (Nähe Kreuzplatz), CH-8032 Zürich

Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenlos, es ist keine Anmeldung erforderlich. Die Platzzahl ist beschränkt. Das Referat wird auf Deutsch gehalten.
«Das einzige Kunstwerk, das zukünftig überleben wird, hat keine Schwerkraft mehr» meinte 1980 Nam June Paik, der anerkannte Vater der Videokunst. Er spekulierte, dass die Kunst der Zukunft, einmal von der Schwerkraft ihrer Materialität befreit, keine Konservierungsaspekte mehr aufweisen wird. Paiks vorausschauende Aussage scheint die Realität zu spiegeln, mit der viele Sammlungen konfrontiert sind, die Medienkunst erwerben, zeigen und bewahren.

Auf Film- und Videotechnologie basierende Medienkunst konfrontiert uns mit der Verletzlichkeit und der Instabilität ihrer physischen Träger und visuellen Inhalte. Die typische hybride Koppelung von Abspiel- und Wiedergabetechnik unterscheidet Medienkunst klar von den meisten traditionellen Medien wie Malerei und Skulptur, da sie sich den üblichen Sammlungs-, Archivierungs- und Musealisierungsprozessen entziehen. In ihrer Veränderlichkeit stellen sie herkömmliche Ansichten in Frage, was ein Kunstwerk ausmacht, was gezeigt, konserviert und im kulturellen Gedächtnis bewahrt wird.

Wie gehen wir also um mit den tief verwurzelten Paradigmen materieller Authentizität, die während Jahrhunderten den Wert eines Kunstwerks bestimmten? Wie viel Veränderung ist möglich, bevor ein Werk seine Identität verliert und nicht mehr als dasselbe erkennbar ist? Wie kann diese Veränderung besser im Verhältnis zur Zeit verstanden werden? Und schliesslich, wie konservieren wir das Nicht-Konservierbare oder in anderen Worten, was ist die Zukunft von Medienkunst?
Unter Berücksichtigung von Begriffen wie Zeit, Materialität und Archiv, stellt Hölling, die herkömmlichen Annahmen über das Konservieren von Kunstwerken generell und Medienkunst im Speziellen zur Debatte. Indem sie das Konzept der zeitlichen Materialität einführt, hinterfragt sie die Vorstellung des fortbestehenden Objekts, ebenso wie die lineare zeitliche Entwicklung, die während Jahrzehnten die Konservierung dominierte. Um ihre Gedanken zu illustrieren, präsentiert Hölling beispielhafte Multimedia-Installation aus ihrem neuen Buch Paik’s Virtual Archive: Time, Change, and Materiality in Media Art, das 2017 bei University of California Press erschienen ist.