Spezialsammlungen

Bibliothek Carola Giedion-Welcker

Seit 2016 befindet sich der Bestand an kunsthistorischer Literatur aus dem Nachlass von Carola Giedion-Welcker in der Bibliothek von SIK-ISEA. Sämtliche Titel sind im NEBIS-Katalog erschlossen und recherchierbar.

Die in Zürich ansässige, aus Köln gebürtige Kunsthistorikerin, Kritikerin und Vermittlerin Carola Giedion-Welcker (1893–1979) hinterliess zusammen mit ihrem Ehemann, dem Architekturhistoriker Sigfried Giedion (1888–1968), eine bedeutende Arbeitsbibliothek, welche die Gebiete Kunst- und Architekturgeschichte, Archäologie, Anthropologie, Musik- und Literaturwissenschaft umfasste. Dank ihrem Sohn, Prof. Dr. Andres Giedion (1925–2013), gelangten seit 1979 laufend Teile des kunsthistorischen Buchbestandes an das Schweizerische Institut für Kunstwissenschaft (SIK-ISEA). Nach grosszügigen Schenkungen 2015 und 2016 durch Frau Monica Giedion-Risch befindet sich heute das Gros der kunsthistorischen Literatur aus dem Besitz von Carola Giedion-Welcker in der Bibliothek von SIK-ISEA.

Carola Giedion-Welcker mit Hund Cyril, Doldertal, ca. 1919, gta Archiv / ETH Zürich (Familienarchiv Sigfried Giedion und Carola Giedion-Welcker)

Carola Giedion-Welcker, Bayrische Rokokoplastik. J.B. Straub und seine Stellung in Landschaft und Zeit, München: O.C. Recht Verlag, 1922

Carola Giedion-Welcker, Anfang 1930er Jahre, gta Archiv / ETH Zürich (Familienarchiv Sigfried Giedion und Carola Giedion-Welcker)

Carola Giedion-Welcker, Moderne Plastik. Elemente der Wirklichkeit, Masse und Auflockerung, Zürich: Verlag Dr. H. Girsberger, 1937

Carola Giedion-Welcker, Doldertal, Ende 1930er Jahre, gta Archiv / ETH Zürich (Familienarchiv Sigfried Giedion und Carola Giedion-Welcker)

Carola Giedion-Welcker, Poètes à l’écart / Anthologie der Abseitigen, Bern-Bümpliz: Benteli, 1946

Carola Giedion-Welcker, Antoine Pevsner und ein Unbekannter in der Ausstellung Antoine Pevsner, George Vantongerloo, Max Bill im Kunsthaus Zürich, 1949 (Foto: Maria Netter, SIK-ISEA, Courtesy Fotostiftung Schweiz)

Carola Giedion-Welcker, Paul Klee, Stuttgart: Verlag Gert Hatje, 1954

Carola Giedion-Welcker, Plastik des XX. Jahrhunderts. Volumen- und Raumgestaltung. Bibliographie von Bernard Karpel, Stuttgart: Verlag Gerd Hatje, 1955

Carola Giedion-Welcker, Hans Arp. Mit einer Dokumentation von Marguerite Hagenbach, Stuttgart: Hatje, 1957

Die Tänzerin Katja Wulff und Carola Giedion-Welcker an der Vernissage der Ausstellung Hans Arp, Galerie d'Art Moderne, Basel, 1958 (Foto: Maria Netter, SIK-ISEA, Courtesy Fotostiftung Schweiz)

Carola Giedion-Welcker, Constantin Brancusi, Basel: Schwabe, 1958

Carola Giedion-Welcker, Alfred Jarry. Eine Monographie. Mit Photos, Zeichnungen und Holzschnitten. Biographie und Bibliographie von Hans Bolliger, Zürich: Verlag Die Arche, 1960

Carola Giedion-Welcker, Contemporary Sculpture. An Evolution in Volume and Space, revised and enlarged edition, with a bibliography by Bernhard Karpel, New York : Wittenborn, 1960 (= Documents of Modern Art, Vol. 12)

Carola Giedion-Welcker und Hans Arp an der Vernissage der Ausstellung Hans Arp, Kunsthalle Basel, 1962 (Foto: Maria Netter, SIK-ISEA, Courtesy Fotostiftung Schweiz)

Carola Giedion-Welcker zählt zu den wichtigsten Vermittlerinnen der Kunst der klassischen Moderne. Ihr Engagement für Künstler wie Hans Arp, Kurt Schwitters, Paul Klee, Constantin Brancusi und Antoine Pevsner, aber auch James Joyce war für deren Rezeption in Europa wie auch später in den USA entscheidend. Ihre Dissertation widmete Carola Giedion-Welcker der bayerischen Rokokoplastik; 1937 publizierte sie mit Moderne Plastik: Elemente der Wirklichkeit – Masse und Auflockerung ein Standardwerk zur vielfältigen Erscheinungsform dieser Gattung im noch jungen 20. Jahrhundert. Das Buch erfuhr 1955 und 1960 erweiterte Neuauflagen und erschien in englischen Übersetzungen bei Wittenborn & Schultz in New York. 1946 schuf Giedion-Welcker mit Poètes à l’écart / Anthologie der Abseitigen, einem lyrischen Album der Vergessenen und Verkannten, eine kleine Ikone der Buchgeschichte, die in quadratischem Format und mit der Einbandgestaltung von Richard Paul Lohse Massstäbe im Buchdesign setzte. Darauf folgten die grundlegenden Monografien zu Paul Klee (1952), Hans Arp (1957), Constantin Brancusi (1958) und Alfred Jarry (1960) sowie ein gutes Hundert kleinerer Aufsätze in Tageszeitungen, Fachzeitschriften und Büchern.

Der in der Bibliothek von SIK-ISEA erschlossene Bestand umfasst in etwa 2500 Bücher, Ausstellungskataloge, Zeitschriftenbände und Sonderdrucke. Neben einem klassisch kunsthistorisch ausgerichteten Teilbestand, den sich das Ehepaar Giedion im Laufe ihrer Universitätsstudien zulegte, findet sich umfangreiche Literatur zur künstlerischen Avantgarde der Vor- und Nachkriegszeit; etliche dieser Manifeste, Monografien und Ausstellungskataloge gelten heute als Quellenschriften dieser Epoche. Eine Vielzahl der Bände ist mit Widmungen versehen und zeigt Lesespuren von Carola Giedion-Welcker und Sigfried Giedion in Form von Anstreichungen, Annotationen und Buchbeigaben.

Der bei SIK-ISEA befindliche Bestand «Bibliothek Carola Giedion-Welcker» kann über einen Deeplink im NEBIS-Katalog virtuell zusammengeführt und recherchiert werden. Als über Volltext durchsuchbares Gesamtverzeichnis steht ein PDF zur Verfügung, das Widmungen, annotierte Exemplare sowie Buchbeigaben auflistet.

Ein weiterer umfangreicher Teilbestand der einstigen Bibliothek zu den Arbeitsgebieten von Sigfried Giedion widmet sich der Architektur- und Kulturgeschichte und befindet sich in der Bibliothek des GTA Archivs an der ETH Zürich. Eine Sammlung dadaistischer und surrealistischer Literatur von Carola Giedion-Welcker beherbergt die Bibliothek für Komparatistik der Universität Zürich. Sämtliche Literatur mit Bezug zu Werk und Person von James Joyce wird in der James Joyce Stiftung Zürich aufbewahrt.