Die maltechnische Entwicklung und die Materialwahl der zu ihrer Zeit sehr erfolgreichen Porträtistin Ottilie W. Roederstein (1859–1937) haben für ihre Generation von Kunstschaffenden etwas Exemplarisches. Aus Dokumenten in ihrem Nachlass geht hervor, dass sie neben Öl- auch die damals zunehmend beliebter werdenden Temperafarben einsetzte und dabei zwischen «reiner Tempera», «Tempera mit Firnisfarben» und der ab 1907 im Handel erhältlichen «Weimar-Tempera» unterschied.
Das kunsttechnologische Forschungsprojekt wird in enger Zusammenarbeit mit den Autor:innen des Werkverzeichnisses Roedersteins durchgeführt. Abgesehen von mal- und materialtechnischen Aspekten werden auch die Möglichkeiten einer Unterscheidung zwischen Erstfassungen und Repliken untersucht und Fragen nach dem Erhaltungszustand einzelner Bilder bearbeitet.
Die Forschungen werden in einen Aufsatz münden, der im Rahmen des Werkverzeichnisses publiziert und online kostenlos zugänglich sein wird. Zugleich werden die Ergebnisse laufend mit den Werkkatalogautor:innen geteilt und fliessen in die Werkangaben und -kommentare ein.